15. 06. 2008
HistorieHistorie "Salsa in Bonn"
(Kai) Salsa in Bonn -Historisches-
in Anlehnung an einen Beitrag von Luis de Lima (Köln)
Seit den 60er Jahren führten politische Ereignisse zur Ansiedlung vieler Lateinamerikaner in der Bundesrepublik Deutschland. Dieses traf auch auf die damalige Bundeshauptstadt Bonn (US-Streitkräfte, Botschaften) zu. Unter den übersiedelnden Soldaten waren u. a. Puertoricaner und US-Soldaten, deren Vorfahren von Latino-Völkern abstammten. Sie waren wohl die ersten, die "Salsa" nach Deutschland und Bonn brachten.
Seit diesen Anfängen ist in Bonn, wie in ganz Deutschland viel passiert: Die Anzahl der Buchungen von Flügen in die Karibik hat sich vervielfacht, "Cuba Libre", "Mojito" und "Caipirinha" sind zu Kult-Getränken geworden, es gibt eine Vielzahl von Salsa-Tanzlehrern, Salsa-DJs und Salsa-Bands, von denen inzwischen die meisten Deutsche sind (zu Beginn waren es fast ausschließlich Latinos).
In Bonn und Köln konnte sich Salsa schnell verbreiten. Mitten im schillernden Disco-Fieber der 80er Jahre waren es anfangs wohl nur eine handvoll Leute, die sich zum Salsa trafen und recht spontan mit "Bordmitteln" unterrichteten und Salsa-Partys veranstalteten. Die hohe Toleranz gegenüber Ausländern, die fast karibisch anmutenden Lebensfreude, die vielen Studenten und aktiven Musikhochschulen sowie der rheinische Karneval sind wohl weitere Gründe, warum sich die Salsa-Szene im Raum Köln/Bonn so gut entwickelte.
Die erste regelmäßige öffentliche Salsa-Party in Deutschland gab es möglicherweise in München. Luis de Lima berichtet über den DJ Chuck Herrmann aus dem Magazin "El Salsero", dass es in München seit Anfang der 70er Jahre eine Salsa-Szene gibt. DJ Chuck Hermann und der Peruaner DJ Alberto Sagástegui sind Pioniere dieser Bewegung. 1973 feierten beide erstmals und seit 1986 regelmäßig in der Max Emanuel Brauerei Salsa-Partys.
Als erste regelmäßige Salsa-Tanzveranstaltung in Bonn ist eine Party des Chemiestudenten Jorge Garcia aus Chile, der als Conguero (Conga Spieler) bekannt ist, zu Beginn der 80er Jahre dokumentiert. Er brachte die erste Salsa-Party ins Lokal "Namenlos". Die Platten, die er damals auflegte waren meist von den Fania All Stars aus New York.
Zu den Anfängen war in Bonn kein Tanzlehrer nötig; die Deutschen Gäste ließen sich von den anwesenden Latinos Tanz-Schritte zeigen. Einige Party-Besucher der ersten Stunde bauten in der Folgezeit die Salsa-Szene in Bonn mit auf.
Durch die Partys von Garcia´s angeregt, entstand die Idee, Salsa-Musik live zu präsentierten. Luis de Limas erste sechs-köpfige Band "Rumbara" spielte in der Folgezeit regelmäßig in Bonn. Nach Luis, war es in der damaligen Zeit wichtig Live-Musik anzubieten, da die meisten Gäste nicht Salsa tanzen konnten und sie besser durch Live-Musik mit den Montunos und durch Piano-, Conga- und Timbales Solos sowie Bühnenatmosphäre zu begeistern waren. Rumbara gastierte monatlich im "Haus der Springmaus", das damals noch in Zentrum von Bonn angesiedelt war; die Konzerte und Partys begannen zur "Latinozeit" um 23.30 Uhr. In ganz NRW wurde die "Maus", wie das Haus der Springmaus auch kurz genannt wurde schnell bekannt, und es kamen mehr und mehr Leute aus Köln, Aachen und Umgebung. Leider lag das Lokal unmittelbar an einem Hotel, dessen Gäste sich über die Störung der Nachtruhe beschwerten, so dass nach sechs Partys durch ein Verbot, das Aus der Reihe kam.
Unmittelbar nach dieser Entwicklung präsentierten der Venezolaner Carlos Manrique und der Kolumbianer Fabio Becerra Livekonzerte in dem Kölner Club "Salznuss" und später im "Petit Prince", wo auch heute noch Salsa-Konzerte statt finden.
Anfang der 80er Jahre war es schwer, Salsa-Musik im örtlichen Musik-Handel zu bekommen. Dem Vernehmen nach konnte man aber mit Beziehungen im Armee-Einkaufszentrum der USA in Frankfurt Salsa CD´s kaufen, die aus NY, L.A. oder Puerto Rico nach Europa kamen. So zog dann auch die Musik von "El Gran Combo", "Fania All Stars", "Tito Puente", "Eddy Palmiere", "Ray Barreto", "Ruben Baldes", "Celia Cruz", "Oscarde Leon" in die Bonner Party-Szene ein.
Sänger wie Gloria Estefan, Jennifer Lopez, Ricky Martin, Marc Anthony haben inzwischen mit ihren Latino Hits die Charts erobert, Grammies sind für die Latino-Stars fast zur Selbstverständlichkeit geworden. In Bonn gastieren seit vielen Jahren regelmäßig musikalische Salsa-Stars live, die Konzerte sind gut besucht.
Anfang der 2000er Jahre gründeten Jördis und Henry Guzman die erste "Rueda de Casino" Gruppe von NRW in Köln "Yoghurt". Schnell bildeten sich weitere Gruppen in Bonn, Köln und Aachen. Rueda de Casino ist seit dem fester Bestandteil der Salsa-Szene Bonn.
Am 21./28. Oktober 2001 gründen 21 Salseras & Salseros den Verein Salsa in Bonn. Nach meiner Recherche der erste nicht auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtete und aus der Szene ehrenamtlich geführte Salsa-Verein in Deutschland.
Ohne Zweifel ist die Entwicklung der Salsa Geschichte in Westeuropa und in Bonn mit Ihren lateinamerikanischen, afrikanischen und europäischen Wurzeln, den spanischen Texten, afrokaribischen Instrumenten und Rhythmen und mit eigenen Tanzstilen ein Phänomen für sich. Für viele steht ?Salsa? für Familie, Leidenschaft und Emotion, soziale Bindung, musikalische Tür zur "Latino Welt", aber als Brücke zur Heimat. Salsa ist heute ein fester Bestandteil der multikulturellen Gesellschaft in Bonn.
Bonn hat eine bemerkenswert große Salsa-Szene, in der sich der rege Verein, mehrere Salsa-Tanzschulen und einige hundert aktive Tänzer (von Anfängern bis zu "alten Hasen"), von jung bis alt tummeln. Die Bonner Salsa-Szene ist gut organisiert. Über mehrere Homepages informieren der Salsa-Verein wie auch Tanzschulen über ihr Angebot von Open Air-Salsa, Salsa-Partys auf dem Rhein, Workshops, Salsa-Radio, Tanzreisen bis hin zu monatlichen Großpartys. Jüngst gründete der Verein Salsa in Bonn eine Band "Bonna Fiesta Salsa Club".
Kontakt:
Kai Grube
Telefon: 0700 - 44444402
Email: kai at salsainbonn.de
Kontakt Luis de Lima (Luis Molino)
www.luis-delima.de